Einfach klein

“Tragen ist keine Kunst, Tragen ist kein Wettkampf und Tragen ist kein Dogma.”::::: Tragen ist Liebe::::: Bericht von Karin

Ich freue mich so sehr, heute den Bericht von Karin, vielen besser bekannt unter ihrem Spitznamen Mildi Mam bei Facebook, mit euch zu teilen.

Karin ist die Königin der guten Links, sie ist immer mit Rat und Tat zur Stelle, sie lebt (und schreibt) mit jeder Faser den Weg des Attachment Parenting. Außerdem gibt sie Einfach-Eltern-Babykurse und begleitet euch auf dem spannenden Weg des Eltern-Seins.
Und obwohl wir uns “nur” online kennen, empfehle ich wärmstens: Hört auf Mildi! Und schaut auf jeden Fall mal auf ihrer Parenteria-Seite vorbei!

Mildi Passbild

Jetzt aber genug der Lobgesänge, hier ist ihr sehr berührender und ehrlicher Tragebericht! Danke, liebe Mildi Mam, fürs Teilen <3

 

Mein Name ist Karin, ich bin 38 und die Mama von Fabian (6,5) und Julika (2,5).
Fabian war ein Extremfrühchen und kam in der 26.SSW mit 990g zur Welt.
Er sah aus wie ein Vögelchen, das aus dem Nest gefallen war, er war so klein und zerbrechlich. Drei Tage nach seiner Geburt durfte er zum ersten Mal aus dem Inkubator. Er wurde mir auf die Brust gelegt und war endlich wieder da, wo er hingehörte- ganz nah bei mir. Die nächsten zwölf Wochen haben wir praktisch durchgekuschelt und wurden dann nach Hause entlassen.

Mildi mit Fabi

Getragen habe ich ihn kaum. Nach zwölf Jahren Krankenpflege war mein Rücken im Eimer und der geliehene Babybjörn von meiner Schwester machte daraus auch nicht gerade ein Erfolgserlebnis. Als Fabi etwas über drei Kilo hatte, gab ich auf und schob nur noch. Mein Baby hatte nix dagegen und der sündhaft teure Bugaboo sollte schließlich auch was zu tun haben.

Heute weiß ich, dass Fabian durch die Zeit in der Klinik total hospitalisiert war und sich nicht so verhalten hat, wie das Menschenkinder üblicherweise gern tun. Ich konnte ihn auf dem Rücken in den Kinderwagen legen, ohne Protest und Körperkontakt durch die Gegend schieben und schlafend stundenlang abstellen.

Vier Jahre später bekam Fabian eine kleine Schwester. Julika zeigte mir mal so richtig, wie das so in echt funktioniert mit den Menschenkindern. Da war nix mit Kinderwagen oder irgendwo ablegen, so gar nicht. Diesmal lieh ich mir von einer Freundin eine Manduca, fand sie aber unbequem und machte mich per Internet auf die Suche nach einer Alternative. Es folgten ein elastischer Sling von Bumbaumel, ein simpler Mei Tai von DaWanda, ein elastisches Tragetuch, ein Didymos Lisa (zu einem absolut grottigen Rucksack zusammengewurschtelt), ein MySol  und ein geliehener Ergobaby. Das war alles mehr so suboptimal und ich hatte die Schnauze voll, war aber zu geizig für eine Trageberatung. Die Rettung: die JoNoBaby als Testpaket aus einem Onlineshop. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Mildi 1

Von da an machte Tragen Spaß. Julika und ich spazierten stundenlang durch die Welt, es war so praktisch und einfach und nah und so wunderschön. Sie schlief schaukelnd ein und ich lief und lief, bis sie glücklich wieder aufwachte. Keine Spur von Rückenschmerzen, dafür stramme Wadeln und gute Laune.  Selbst Kommentare wie „Immer diese Hippies“ und andere Nettigkeiten konnten diese nicht schmälern oder mich gar vom Tragen abhalten.

Julika verhielt sich noch in vielen anderen Dingen ganz anders als ihr großer Bruder und ich ließ mich auf diese spannende Reise ein und lernte unheimlich viel über Babys und ihre Bedürfnisse, über Bindung, über Geborgenheit, über artgerechtes Aufwachsen. Und weil ich dieses Wissen professionell weitergeben wollte, bin ich Einfach Eltern Coach, Stillberaterin und Trageberaterin geworden.

Heute besitze ich eine ziemlich große Auswahl an schönen Tragetüchern und sinnvollen Tragehilfen und weiß, worauf es beim Tragen ankommt. Ich helfe Eltern, die für sie beste Tragemöglichkeit zu finden, stelle Tragehilfen ein und ziehe Tücher ordentlich fest. Ich erkläre in meinen Kursen, wie das mit der Bindung funktioniert und mit den Menschenkindern und überhaupt  und warum Tragen so wichtig ist. Und wenn ich durch die Stadt gehe und Babys in Babybjörns oder Manducen oder grottigen Rucksäcken sehe, freue ich mich und denke an meine Anfänge. Denn worauf es ankommt ist nicht, dass sämtliche ergonomischen Gesichtspunkte exakt eingehalten, die Anhockspreizhaltung formvollendet oder das Tuch korrekt gebunden ist. Es kommt darauf an, dass es sich im Herzen so anfühlt wie mein erstes Kuscheln mit Fabian. Dann ist es perfekt.

Tragen ist keine Kunst, Tragen ist kein Wettkampf und Tragen ist kein Dogma.

Tragen ist Liebe.

 

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Du möchtest auch mitmachen? Hier findest du alle Infos und den Fragebogen. Ich freue mich auf eure Berichte!!!

 

 

 

6 Kommentare zu ““Tragen ist keine Kunst, Tragen ist kein Wettkampf und Tragen ist kein Dogma.”::::: Tragen ist Liebe::::: Bericht von Karin

  1. janine Eisenmann

    Hallo! Wirklich schön geschrieben!Wir tragen auch gerne nur zumeist auch mit Rückenlehne…Leider. Ich wollte mal fragen welche jonotrage sie toll fand?Ein fullbuckle?Liebe grüße janine

  2. Angi

    Wunderschön geschrieben und du hast mir die Augen geöffnet, ich fragte mich immer warum unsere Erstgeborene Tochter (Frühchen) nie engen Körperkontakt wollte…nie getragen werden und nicht bei einem kuscheln. Und nun unsere Kleine hängt an mir wie ein Äffchen :-) ich trage auch sehr viel weil sie es liebt und weil ich es liebe :-)

  3. Prema

    Was ist denn an der Manduca so verwerflich, dass sie zusammen mit dem Babybjörn aufgezählt wird? Ich meine, außer dass der Neugeborenen-Einsatz nix taugt und sie eiiiigentlich erst ab Sitzalter verwendet werden sollte.
    Ich hab meine nach dem Tuch benutzt und fand sie nämlich extrem bequem, war traurig, als sie zu klein wurde.

    1. franzi Autor des Beitrags

      Liebe Helen,

      nein das war sicher missverständlich ausgedrückt.
      An der Manduca ist sicher nichts verwerfliches, außer vielleicht die von dir genannten Punkte… ;-)
      Die Autorin wollte damit nur sagen, egal ob das Kind nun perfekt oder eben nicht so gaaanz optimal getragen wird, hauptsache getragen und glücklich <3

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